Freitag der 13.

Und dann sitzt du an einem Freitag den 13. auf einmal im Madrilener Flughafen am Gate und wartest auf den Anschlussflug. Draußen regnet es, der Himmel ist grau-weiß. Unter den Gangways haben sich Pfützen gebildet. Und während die ganzen Service-Fahrzeuge auf dem Rollfeld geschäftig rumwuseln, fühlst du dich merkwürdig taub.

Das erste mal Europa nach fast fünf Monaten. Und obwohl der Rückflug schon seit einem Monat gebucht war, kam er doch überraschend, als es soweit war. Und jetzt?

Natürlich hättest du gerne noch mehr Zeit gehabt. Natürlich gibt es noch so viel mehr zu entdecken. Du hast mit deiner Freundin die ganze US-amerikanische Westküste bereist, warst in sechs verschiedenen Gebieten in Colorado und New Mexico snowboarden, hast in Albuquerque und Breckenridge gelebt. Du hast in Lima ausgeharrt, warst in Peru surfen, bist zum dritthöchsten Wasserfall der Welt gewandert.

Du hast in einer indigenen Community ein anderes Leben kennen gelernt, bist im Amazonas geschwommen, hast Affen, Faultiere und rosa Delfine gesehen. Du hast in Cali Salsa getanzt, in Chinchina Kaffee gepflückt, in Guatape einen gigantischen Felsen auf 740 Stufen bestiegen.

Du hast in der Hängematte am Strand geschlafen, bist im Parque Tayrona vor dem Brüllen eines Jaguars weggerannt, hast eine riesige Kathedrale 160 Meter unter der Erde besucht. Und dann bist du wieder in Europa.

Es ist Freitag der 13. und draußen regnet es.